Foto: Helmut Gross

Andacht November 2012

02. November 2012

Zeichen der Hoffnung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
 
zum Monat November gehören dunkle und trübe Tage, ein Hauch von Vergänglichkeit in der Natur und oft auch in unseren Gedanken. Nicht zufällig fallen in diesen Monat Sonntage wie der „Volkstrauertag“ oder der sog. „Totensonntag“ - auch „Ewigkeitssonntag“ genannt“ - , an denen wir besonders der Verstorbenen gedenken. In solchen Zeiten brauchen wir besonders Zeichen der Hoffnung, finde ich, sei es eine Kerze, eine Umarmung, ein tröstliches Wort, oder auch ein Kunstwerk. Zu meinen persönlichen Hoffnungszeichen gehört ein bekanntes Werk des Bildhauers Ernst Barlach (1870 – 1938). Es heißt „Der Schwebende“. Einen Abguss dieses Engels kann man in der Antoniterkirche in Köln sehen.

Ein anderer befindet sich im Güstrower Dom, für den Barlach ihn als Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges geschaffen hatte. Dort hängt dieser Engel am niedrigen Gewölbe eines Seitenschiffes; er „schwebt“ sozusagen, unter sich eine Grabplatte mit den Daten des 1.Weltkrieges, 1914 und 1918.

Der leicht erhobene Kopf dieser mächtigen Gestalt ist nach oben gewandt, die Augen sind geschlossen, der Gesichtsausdruck entrückt. Die Arme mit ausdrucksvollen Händen hält der Engel wie schützend oder bergend vor dem Oberkörper gekreuzt.

Barlach selbst hat diese Haltung als „Erstarrtheit in völliger Entrücktheit“ beschrieben, als „Kristallisierung der Vorstellung von ewiger Dauer“. Aber auch unabhängig von großen deutenden Worten: Dieser Engel im Güstrower Dom ist sehr beeindruckend. Er wirkt, als könne er Grauen und Leid des Krieges – der Kriege bis in unsere Zeit! – in sich aufnehmen und zugleich über sie hinausführen, in eine höhere Welt, zu Gott. Für mich strahlt dieser Engel Ruhe und Geborgenheit aus.
 
Ihnen und mir wünsche ich, dass wir auch heute noch angesichts von Gräbern und Kriegen Zeichen der Hoffnung entdecken, die uns trösten und ermutigen!
 
Pastorin Friederike Anz, Christuskirchengemeinde Bremerhaven-Geestemünde