Foto: Helmut Gross

Andacht April 2012

03. April 2012

Johannes 19,26 f

Draußen erwacht die Natur. Die ersten Frühlingsblumen blühen. Krokusse. Tulpen. Narzissen. Leuchtende Forsythien. Die Bäume zeigen ihr erstes zartes Grün. Die Natur bringt neues Leben hervor und wir genießen die Sonne nach einem langen Winter. Endlich! Danach sehnen wir uns doch: Leben. Farbe. Wärme. Im Frühjahr feiern wir Ostern. Wir denken an das Leiden und Sterben Jesu und blicken hoffnungsvoll auf die Auferstehung. Aber im Zentrum steht Ostern das Kreuz. Unter dem Kreuz Jesu stehen vier Menschen: Seine Mutter Maria, die Schwester der Maria, Maria Magdalena und der Lieblingsjünger Johannes. Sie sehen Jesus an. Maria sieht ihren Sohn sterben. Hat sie ihren Sohn jemals verstanden? Mutter und Sohn haben es nicht leicht miteinander gehabt. Was bleibt?

Und dann ist da Maria Magdalena. Eine Frau, eine Jüngerin, die Jesus begleitet hat. Jesus hat sie einmal von einer schlimmen Krankheit geheilt. Maria Magdalena schließt sich Jesus an und beginnt ein ganz neues Leben. Sie glaubt an Jesus und nun sieht sie ihn sterben. Am Kreuz stirbt auch etwas von ihr, von ihrem Leben. Von ihren Hoffnungen. Von ihren Sehnsüchten. Was bleibt?

Der Lieblingsjünger Johannes. Er lebt mit Jesus zusammen. Sie essen und trinken gemeinsam, sie streiten und lachen miteinander. Sie sind eine Gemeinschaft. Nun sieht Johannes Jesus sterben. Was soll nun werden? Es ist auch Johannes’ Traum vom Leben, der am Kreuz elendig zu Grunde geht. Was bleibt?

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter:“ Frau, siehe, das ist dein Sohn.“ Danach spricht er zu dem Jünger:“ Siehe, das ist deine Mutter.“ Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Johannes 19,26f

Maria und Johannes. Sie sollen jetzt füreinander da sein. Jesus lenkt den Blick vom Kreuz. Vom Kreuz weg schauen sie sich ins Gesicht. Hier unter dem Kreuz passiert etwas.In ihrer Trauer und Verzweiflung werden die Frauen und der Jünger Johannes durch die Worte Jesu herausgerissen. Jesus stirbt und der Jünger Johannes nimmt Maria zu sich. Ich sehe hier ein Bild von Gemeinde. Die Gemeinde unter dem Kreuz. Traurig und verzweifelt. Eine ganz kleine Gruppe. Wie soll es mit uns weitergehen? Das Kreuz ist unsere Mitte. Wir blicken vom Kreuz weg und sehen uns an. Mutter und Sohn. Bruder und Schwester. Freund und Freundin. Mann und Frau. Jesus sagt zu uns:

Schaut aufeinander. Ich bin dann unter euch. Dann kann alles neu anfangen: Wenn einer dem anderen ins Gesicht schaut. Gemeinde unter dem Kreuz. Schaut euch ins Gesicht. Seid füreinander da. Sorgt füreinander.

Pn. Heike Breuer

Michaelis- Paulusgemeinde