Foto: Helmut Gross

Andacht August 2012

03. August 2012
Psalm 147,3: Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
 
Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal werden Bibelverse so aktuell, dass man sich selbst nur wundern kann. So erging es mir, als ich den Monatsspruch las. Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
 
Ende Juli war ich mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs von Surheide nach Hause. Meine tägliche Rennstrecke fahre ich fast blind. Aber manchmal geschieht auf dieser Strecke etwas Sonderbares. Mir ging es so, als ich einen Mann beobachtete. Er versuchte seinen Rasenmäher ans Laufen zu bringen. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er sich abmühte. Ich grübelte. Wie wollte er mit dem Rasenmäher das fast mannshohe Gras mähen?
 
Schon war ich um die Ecke und als ich wieder auf den Weg schaute: Da stand er, der Absperrpfosten. Ich wusste: An dem komme ich nicht vorbei. Sekunden später fand ich mich zwischen dem Pfosten auf dem Boden wieder. Mein Fahrrad links vom Pfosten, Fahrradkorb und Rucksack hatten sich auch selbstständig gemacht. Schon kamen zwei Mädchen angelaufen. Sie führten ihren Hund aus. Die eine hob Korb und Rucksack auf, die andere wollte mir aufhelfen. Aber das wollte auf Anhieb nicht gelingen.
 
Dann bemerkte auch der Mann, dem ich gedankenverloren zugeschaut hatte, meinen Unfall. Sofort kam er her, sein erster Satz: Soll ich Sie nach Hause fahren? In seinem Auto stellten wir uns vor, und er scherzte: Man solle halt aufpassen und fremden Männern nicht hinterher schauen. Was soll ich sagen: Auch die ärztliche Betreuung nach meinem Unfall war erstklassig. Nach zwei Tagen legte ich die Krücken beiseite, und nach einer Woche war ich wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Heute bin ich auf den Weg zur Hochzeit meines Neffen. Vielleicht kann ich sogar tanzen. Ich bin zuversichtlich. Gott heilt. Aber an uns ist es, uns von seinen Helfershelfern aufhelfen zu lassen, wenn wir am Boden liegen. Ich war im ersten Moment versucht die Hilfe des Mannes abzulehnen. Wie froh bin ich, dass ich gesagt habe: Danke! Gerne! Ich wäre sonst heute noch mit Krücken unterwegs.
 
Christa Nagel, Pastorin aus Surheide