Foto: Helmut Gross

Andacht Januar 2012

02. Januar 2012

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

Jahreslosung 2012: Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2. Korinther 12,9
 
Ein gutes Neues Jahr und vor allem Gesundheit! Natürlich auch Glück und Erfolg. Es ist schön, dass wir uns dieses alles zum Jahreswechsel wünschen. Und wenn wir krank sind? Wenn wir gerade in einer Krise stecken, unglücklich sind und Erfolge nicht so wirklich wahrzunehmen sind? Können wir uns dann an den guten Wünschen festhalten oder erscheinen sie uns wie Spott und Hohn? „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ heißt die Jahreslosung 2012. Was ist das für eine Aussicht auf das, was wir 2012 bewirken können und was wir zu bewältigen haben? Es ist so typisch christlich! Liegt die Betonung nicht allzu oft auf den Kleinen und Schwachen? Die Geburt des göttlichen Kindes wird uns erzählt als Geburt eines Kindes in einem Stall, ohne Palast, ohne richtige Heimat, immerhin mit Mutter und Vater. Sternenglanz und Engelschöre gibt es, etwas Glanz und Gloria sind vorhanden, aber sie weisen immer wieder hin auf das Kleine, das Neugeborene. Auf diesem schwachen Kind ruht die Hoffnung auf Heil und Frieden. Das ist göttlich.
 
Der Tod des göttlichen Sohnes ist eine durch und durch traurige Geschichte. Verraten, verspottet, verleugnet und verlassen stirbt er am Kreuz. „Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz“, rufen sie von unten und fordern, dass er der Welt seine Macht zeige, zeige, was er kann. Erfüllt werden diese Erwartungen nicht. Es ist einfach anders. Jesus Christus ist Gottes Sohn und ist der Gekreuzigte. Immer wieder stoßen wir auf das ganz andere Denken. Alle, die Gott als thronenden Herrscher sehen wollen, müssen umdenken. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Paulus erläutert im Korintherbrief die anderen Maßstäbe der Christen. Sie stellen sich quer zu den Lobliedern der Welt. In einer Litanei wettert er gegen einen Wettkampf im Rühmen: Wer ist der bessere Christ? Wer hat die meisten Schmerzen ausgehalten? Wer hat die meisten Menschen gewonnen? Wer hat die größten Kollekten eingenommen, wer hat die meisten Kinder getauft, welche Gemeinden können sich rühmen, wachsende Gemeinden zu sein, wer hat immer wieder in der Zeitung gestanden, wer war am erfolgreichsten, wer verbreitet den größten Prunk? Wir können diese Liste in unsere Gegenwart verlängern. Und verfehlen damit das Wesen Gottes. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Paulus denkt durchaus über ein erfolgreiches Leben nach. Er fragt, worauf er stolz sein kann, wessen er sich rühmen soll. Er weiß, was er getan hat, das wird deutlich. Aber es klingt auch immer wieder Spott durch seine Worte, welchen Sinn soll es machen, das alles aufzuzählen? Er gehörte nach seinen Maßstäben nicht zu den Schönen und Erfolgreichen. Schließlich beendet er seine Litanei mit einer Klage über seine eigene Krankheit, die ihn schwächt. Er hatte einen „Pfahl im Fleisch“, was das nun war, bleibt unbekannt, nur: so richtig gesund war Paulus nicht. Im Blick auf alles Nachdenken über Erfolg und Misserfolg und im Bekenntnis zu seiner Krankheit und somit seiner Schwachheit wird ihm von Gott offenbart: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
 
Das Wirken Gottes ist geheimnisvoll paradox. Gott kommt ohne Glanz und Gloria aus. Spüren wir das? Können wir das z.B. sehen, wenn Kranke gelassen werden? Wenn Behinderte uns anstrahlen? Wenn Weinende mit einem tiefen Seufzer neuen Mut fassen? Spüren wir Gottes Kraft, wenn wir Schwachen begegnen? Als Fazit der Gedanken über Erfolg und Schwäche steht im Korintherbrief: „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi Willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Ein Gott, der klein ist in der Krippe und der leidet bis in den Tod, der kennt alles Elend und ist bei denen, die schwach, krank, verzweifelt und hinfällig sind. Vielleicht können auch Sie sich daran erinnern, dass in der tiefsten Krise eine starke Lebenskraft wächst, eine innere Klarheit und Gewissheit: So geht es weiter. Ich kann es Gottes Kraft nennen, die hier wirkt. Nur Mut, möchte ich deshalb sagen. Auch wer krank ist, kann im Neuen Jahr eine gesegnete Zeit vor sich haben. Auch wer keine „Erfolge“ aufweisen kann, soll spüren, welch ein wertvoller Mensch er ist. Die Traurigen mögen erfahren, wie kostbar das Leben ist. Vor Gott müssen wir nicht groß und stark sein. Er liebt uns, so wie wir sind. Tun wir es ihm nach und nehmen wir uns in diesem Jahr vor, diejenigen, denen wir begegnen, wohlwollend zu sehen. Schätzen wir uns mit unseren Schwächen. Lassen wir uns darauf ein im Schwachen und Hinfälligen Gottes Kraft zu erkennen.
 
Nur Mut und Gottes Segen für das Neue Jahr,
Ihre Susanne Wendorf-von Blumröder