Foto: Helmut Gross

Andacht Oktober 2010

05. Oktober 2010

Jesaja 2,4

Gott wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. (Jesaja 2,4)

Schon mal etwas von Rancho Cucamonga gehört? Nein, es ist kein Artischockenschnaps und auch kein südamerikanischer Rapper...

Es ist eine mittelgroße Stadt im Westen der USA, in Kalifornien. Wenig ist bisher von ihr zu hören gewesen, selbst in der Wikipedia gibt es nur einen dürftigen Vierzeiler. Und doch ist diese Stadt etwas ganz besonderes. Denn dort gibt es eine Fabrik, in der von der Polizei sichergestellte illegal erworbene oder eingesetzte Waffen eingeschmolzen werden, um daraus etwas Vernünftiges zu machen: Stahlträger und Moniereisen zum Häuserbau etwa. TAMCO - so heißt dies Unternehmen - hat dieser Aktion einen biblischen Namen gegeben: "project Isaiah" - "Projekt Jesaja." Nun mag man über die Waffenverrücktheit manch eines Amerikaners oder über die laschen Waffengesetze in den USA seine eigene Meinung haben - und ich nehme das für mich auch in Anspruch - was mich dennoch an dieser Aktion fasziniert, ist, dass man dieser großen biblischen Vision nicht einfach nur nachsehnt, sondern sie - ganz im Kleinen - ins Werk setzt.

Denn das kann uns doch leicht zum Verhängnis werden: dass uns Worte und Visionen zu groß werden und wir sie in die Ferne projizieren, statt sie unserem Herzen nahe sein zu lassen. Manch einer entscheidet sich dann gar, die alten großen Bilder zur Gänze abzulegen und sich als "Realist" zu bezeichnen, frei nach dem Motto unseres Altkanzlers Schmidt: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen". Dabei brauchen wir nichts dringender als eben diese Bilder, weil wir uns sonst zu leicht nur mit dem Vorfindlichen zufrieden geben, um dann in den Chor derer einzustimmen, die immer schon wußten: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn aber Menschen fallen, wenn Krieg und Terror herrschen, wenn Ungerechtigkeit und Intoleranz regieren, Armut und der Kampf um das Lebensnotwendige, dann brauchen wir große Visionen.

Sie sind dann für uns, was die Latte für den Hochspringer ist. Leicht könnte der sie tiefer legen lassen und würde sie garantiert nicht reißen. Aber das ist es nicht, um das es geht. Nur wenn sie hoch genug gelegt wird, wird die Anspannung dazu führen, es auch dort herüberzuschaffen. Selbst auf die Gefahr hin, Fehlsprünge zu riskieren. So machen auch diese großen Worte und Visionen bis heute Sinn: Sie sind Bilder, an den wir uns orientieren, auf die hin wir uns ausrichten. Und die wir - hier und da - schon jetzt mit Leben füllen können. Eine kleine Gießerei in Rancho Cucamonga macht es uns vor. 12153 Waffen konnte sie 2008 einschmelzen und zu etwas Besserem machen als unsere modernen "Schwerter". Es geht doch. Trauen wir Gottes Wort also etwas zu und auch uns.

Einen gesegneten November wünscht Ihnen
Ihr Pastor Detlef Kipf
Martin-Luther-Kirchengemeinde Wusldorf

P.S. Da schlage ich doch heute die Zeitung auf und lese, dass es so etwas nun auch in Bremen gibt. Na, wenn das nicht ermutigend ist ...