Foto: Helmut Gross

Andacht April 2010

05. April 2010

Epheser 1, 18

Unsere Augen sind uns wichtig - ohne sie wären diese Zeilen nicht zu lesen.

Wir machen uns im Alltag auf Gesehenes gegenseitig aufmerksam. Mit den Worten „Sieh mal!“ machen Kinder auf ihre Entdeckung oder ihre Leistung aufmerksam. „Schau genau hin!“ ist manchmal der pädagogische Rat der Erwachsenen, wenn sich noch mehr verbirgt als oberflächlich sichtbar ist.

Unsere Seh-Eindrücke können uns sogar täuschen. Die vielen Treppen in den Grafiken und Zeichnungen von M. C. Escher, die doch nicht in die Höhe führen, sondern immer wieder auf die gleiche Anfangsebene führen, sind solche optischen Täuschungen.
 
Schau genau hin - ja wir sehen aus unserer Perspektive mit unseren Augen.
 
Auch in den Ostererzählungen der Bibel sind Augen wichtig. Sie sehen das leere Grab. Sie sehen den Auferstandenen Christus. Sie sehen die Wundmale des Gekreuzigten im Ostergeschehen und erkennen so: Der vor ihnen Stehende ist der Gekreuzigte, der Begrabene und Auferstandene in einer Person.
 
Dieses Sehen löst Gefühle auf. Wir kennen dafür ein Wort in Verbindung mit dem Wort „Herz“. Da geht „einem das Herz über“, oder „das Herz hüpft vor Freude“ oder „jemand nimmt sein Herz in die Hand“. Jedes Mal ist dies ein Bildwort für Gefühle.
 
Antoine de Saint-Exupéry sagt in seinem Buch "Der Kleine Prinz": "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
 
In diesem Satz findet eine Wertung statt. Die Sehkraft der Augen wird durch Gefühle und Gefühltes hinterfragt. Wenn uns einfühlsame Menschen begegnen, dann sehen die manches, was hinter unseren Worten oder Gesten verborgen ist. Dann spüren sie auch, was jemand gerade braucht. Es sind eben Menschen, die „das Herz auf dem rechten Fleck haben“.
 
Im Monat April begleitet uns ein Bibelwort, das von „erleuchteten Augen des Herzens“ spricht. Es verbergen sich dahinter Lebenserfahrungen wie:
Wider alle Erwartungen wird das Erstarrte zu neuem Leben - z. B. in menschlichen Beziehungen, wenn man sich nach Jahren des Getrennt-Seins wieder die Hand geben kann.
 
Die Jünger sitzen in den Ostererzählungen voller Angst zusammen, oder wenn sie den schweren Weg zurück in die Heimat gehen und plötzlich den Auferstandenen erleben und ihnen „die Augen übergehen“ und „es fällt ihnen wie Schuppen aus den Augen“.
 
Für die Jünger beginnt in diesem Moment etwas ganz Neues. Nun begreifen sie, was sie vorher nur gehört haben. Nun verstehen sie, dass für Gott mit dem menschlichen Tod noch lange nicht alles aus ist. Sie begreifen, dass sie voller Hoffnung auf eine nicht endende Zeit mit diesem Gott den manchmal beschwerlichen Weg durchs Leben gehen können.
 
Ich wünsche Ihnen allen ähnliche Erfahrungen mit dem Spruch für den April
 
Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. Epheser 1,18 (L)
 
Pastor Reinhard Niehaus