Foto: Helmut Gross

Andacht Januar 2016

04. Januar 2016

Herrlich, so ein freier Kalender! Das ganze Jahr 2016 liegt offen da. Verzeichnet sind schon die Feiertage. Ostern ist sehr früh, Ende März, und Anfang Mai folgen Himmelfahrt und Pfingsten. Und früh sind auch die Ferien. Ende Juni schließt das Schuljahr und Anfang August fängt das neue wieder an.

Als erstes werden die Geburtstage eingetragen und ich stelle fest, dass einige „runde“ Geburtstage zu erwarten sind. Wie schön! Neue sind dazu gekommen, neue Freunde und auch Kinder, die in der Familie und im Freundeskreis geboren sind. Auch die Geburtstage der Verstorbenen führe ich weiter. Schließlich bleiben sie ein Teil meines Lebens.

Jetzt folgen die Planungen. Eigentlich sind ein paar Schönheitsreparaturen in der Wohnung dran. Wann ist der günstigste Zeitraum? Vorgenommen hatte ich mir auch Besuche bei Freunden und Verwandten in der Ferne. Schließlich sieht man sich viel zu selten. Wann würde ich am liebsten Urlaub nehmen und wann ist es wirklich möglich? Da gibt es auch in der Familie unterschiedliche Vorstellungen und Vorgaben. Und dann sind da noch die Verabredungen, die bereits getroffen sind, und die Aufgaben, die ich mit in das neue Jahr nehme.

Und schon ist der Kalender nicht mehr so frei. Es kostet seine Zeit und viel Überlegung, bis der Plan steht, mit dem man zufrieden sein kann.
In der frühen Neuzeit haben holländische Kaufleute ihre Kaufverträge unterschrieben mit dem Kürzel „Jak 4, 15“. Das ist ein Vers aus dem Jakobusbrief mit dem bekannten Ausdruck „So Gott will und wir leben“. Jeder noch so sorgsam ausformulierte Vertrag steht unter diesem „Vorbehalt des Jakobus“. Denn ob man noch lebt, wenn der Vertrag wirksam wird, das kann man nicht planen.

Vielleicht sollte ich dieses Kürzel auch unter meinen Kalender schreiben. Ob alles klappt, ob alle Pläne aufgehen und wir überhaupt gesund bleiben? Dass es auch ganz anders kommen kann, weiß eigentlich jeder. Jeder Moment des Lebens ist ein Geschenk, das man annehmen kann. Es wäre schade, wenn man nur nach vorn schaut und den Augenblick nicht genießen kann: den Moment, der einem gerade geschenkt ist.
Jede Stunde, jeder Tag, bestimmt auch dieses neue Jahr ist ein Geschenk Gottes, ein Angebot mit ihm und mit den Menschen um uns herum zu leben.

Wir werden weiter mit Vorfreude und Umsicht planen, Vorsätze fassen und erwartungsvoll in die Zukunft blicken. Der Vorbehalt des Jakobus erinnert uns dabei, mit offenen Sinnen durch das Leben zu gehen. Jetzt schon gibt es viele Gründe dankbar zu sein für das, was es uns schenkt. Und wenn wir unsere Pläne umsetzen oder aber ändern müssen, kommen neue Gründe dazu – „So Gott will und wir leben“.

Werner Gerke, Seemannspastor