Foto: Helmut Gross

Andacht November 2013

30. Oktober 2013

Zeit der Stille und der Besinnung

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Novemberstimmung. Kühl und windig ist es
schon länger. Man mag lieber daheim im Warmen sitzen, als hinaus zu gehen in
nasse Deich-Wiesen und grau wirkende regennasse Strassen. Die Bäume haben
ihre Blätterpracht abgelegt, die Sonne wärmt nicht mehr, der Himmel Wolken
verhangen. Zeit für Melancholie ... Zeit auch, um Bilanz zu ziehen.
Zeit der langen, dunklen Abende.


Eine gute Zeit, denke ich, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen,
auf das, was wirklich von Bedeutung ist. Vieles, was sonst ablenkte - in der
warmen Zeit, als man laue Sommerabende in fröhlicher Runde draußen
verbrachte, ist nun nicht mehr da.


Mit dem zu Ende gehenden Jahr fragt sich so mancher auch, wie es um das Ende
seiner Zeit bestellt sein mag. Der voranschreitende Jahresumlauf deutet auf
die eigene Zeit ... wie schnell ist auch dieses Jahr wieder vergangen? Was
ist nicht alles wieder geschehen? Zeit der Rückschau ...
und so manches Geschehene möchte man gerne rückgängig machen, manches gerne
noch einmal erleben.


Wozu leben wir? Was ist der Sinn hinter all den Dingen? Was ist der Sinn
meines Lebens? Inmitten wilder Herbststürme unter einem gewaltigen,
bedrohlichen Himmel mag man sich plötzlich winzig klein und schwach
vorkommen, erkennt sich plötzlich neu in seiner wahren Größe. In seiner
wahren Größe auch, zu dem Schöpfer, der all das geschaffen hat ... Wie stehe
ich. zu Gott, der noch meine Zeit in seinen Händen hält? Wann habe ich mich
IHM das letzte Mal zugewendet im Gebet, im Lesen seines Wortes?
Dunkle, lange Abende laden ein zur Stille, zur Besinnung, zum Gespräch, zur
Umkehr. Gott - Jesus, wo bist DU in meinem Leben? Wie viele Entscheidungen
habe ich ohne Dich gefällt ... wie oft Dich auch betrübt durch mein
Verhalten? Und wie oft hast Du doch Deine schützende Hand über mich gehalten
auch in dem zu Ende gehenden Jahr. „Ich freue mich und bin fröhlich über
deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not."
(Psalm 31, 8) Gott wendet sich uns immer wieder neu zu. Seine Treue hört nie
auf, seine Güte ist jeden Morgen neu. Ich darf umkehren zu IHM, den
Neuanfang wagen.


Das ist es, was Buße meint: am Ende steht ein Neues. Ein neuer Anfang mit
Gott. Ein neuer Anfang in der Gewissheit: Ich gehöre dazu, mit hinein in
einen gewaltigen, herrlichen Plan. Gott hat auch mich im Sinn. - Da kann ich
mich ganz neu freuen auf alles, was kommt. - Egal, was kommt ... ER ist
dabei.

 

Zeit der Stille, Zeit der Besinnung... Vor uns ... Licht der Verheißung.

 

Hans-Carl Schlüter, Pastor der Landeskirche im Kirchenkreis Bremerhaven