Foto: Helmut Gross

Andacht Juni 2020

01. Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. (1. Buch der Könige 8,39)

Ein Spruch für die, die in dieser Zeit einsam sind. Zu den Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie gehört, dass wir uns mit mehr Abstand begegnen. Das beeinträchtigt uns alle, die einen mehr als die anderen. Gut, wenn man in dieser Zeit nicht allein ist. Die Singles und Alleinstehenden haben es in dieser Zeit besonders schwer.

Und wenn wir anderen äußerlich nicht zu nahe kommen dürfen, wie sollen wir dann das, was emotional und gedanklich in uns vorgeht, anderen mitteilen? Und wenn überhaupt niemand da ist, was kann uns dann helfen in unserer Einsamkeit?

Ein bekannter Satz über Gott ist: Gott sieht alles. Ein Satz, der mich als Kind unruhig gemacht hat, der nachdenklich macht: Ist das gut, dass Gott alles sieht? Oft stellt sich die Frage aber auch anders: Sieht Gott wirklich alles? Ist er wirklich da? Kann Gott mir in meiner Einsamkeit helfen?

Nicht jeder Kontakt ist ein Kontakt, der gegen Einsamkeit hilft. Kontakte, die uns im Herzen mit anderen verbinden, die erlösen uns von Einsamkeit. Ein Gebet ist genau so ein Kontakt: wenn wir Gott mitteilen, was in unserem Herzen vorgeht.

So, wie König Salomo das getan hat (1.Kön 8). Er betet zu Gott, er dankt ihm, er bittet ihn um seinen Segen, er zählt auf, was Menschen zu seiner Zeit Probleme macht. Er traut sich, dabei alles anzusprechen. Das kann schwer sein, im Gebet genau so wie einem Menschen gegenüber. Aber wenn es um alles geht, wenn es gelingt, dass man alles anspricht und alles von Gott erwartet, dann hilft das.

Und dann ist Gott da. Und so können wir zu ihm sagen: Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. Das tut gut, das hilft gegen Einsamkeit, wie ein Gespräch, bei dem einer offen ausspricht, was er auf dem Herzen hat, und der andere mit ganzem Herzen zuhört.

Pastor Malte Plath