Foto: Helmut Gross

Andacht Juni 2015

11. Juni 2015

Wie kommen wir miteinander ins Gespräch?

Am frühen Morgen stand ich an der Kasse im Supermarkt, ein paar Sachen waren im Einkaufswagen, eine Kundin nur vor mir. Ich wurde Zeugin eines Gesprächs, in dem sich Kassiererin und Kundin darüber beklagten, dass ja auch alles, was man hinzuverdient gleich wieder abgezogen würde. Es bliebe so wenig übrig und würde sich nicht lohnen. Aber die müssen ja die Flüchtlinge unterhalten. Das sei ihr so egal, sagte die eine, ihretwegen könnten die alle ertrinken im Mittelmeer. – So deutlich hatte ich das noch nicht gehört.

Ich ließ meine Waren auf dem Band, fragte aber die Kassiererin, ob sie denn das erleben wollte, was die Flüchtlinge in den letzten Monate oder Jahren durchlebt hätten? – Betretenes Schweigen. Dachte sie nach?

Armut wählt nicht, hieß die Schlagzeile zur Untersuchung der schlechten Beteiligung zur Bürgerschaftswahl 2015 im Land Bremen. Ca. 40 % der Bremerhavener Wahlberechtigten sind zur Wahl gegangen. In manchen Stadtteilen waren es nur 25 %, in anderen mehr. Demokratie kommt mit dieser Verweigerung an eine Grenze. Die Bereitschaft, sich mit der Organisation unseres Zusammenlebens auseinanderzusetzen, wofür in einer Demokratie das Wählen von Vertretern steht, ist erschreckend gering. Wie soll es also funktionieren?

Ich war zufrieden, als mir unser Stadtjugenddiakon dann erzählte, dass sich die Jugendlichen lange und ausführlich mit den zukünftigen Grundstandards für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis Bremerhaven auseinandergesetzt hätten. Viele seien neu und ihnen müsste das Anliegen erklärt werden, sie hätten ihre Fragen und es würde viel diskutiert. Ich war erleichtert. In der evangelischen Jugend werden Argumente ausgetauscht, Meinungen vorgestellt und ein Konsens gesucht.

Könnte man dieses Modell auf eine Versammlung von Nachbarschaften übertragen? Wie denken wir? Was bewegt uns? Können wir Ängste und Sorgen miteinander teilen? Uns so manche Sorge und Angst vielleicht auch nehmen?

Um auf das Gespräch an der Kasse zurückzukommen: Wie wollen wir ihn leben, diesen Hinweis, der in den Hebräerbrief geschrieben wurde? Er heißt: Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebräerbrief 13,2)

Ich möchte das gern mit Ihnen leben, Ihre Susanne Wendorf-von Blumröder