Foto: Helmut Gross

Andacht Dezember 2015

01. Dezember 2015

Liebe Gemeinde,

in der Nacht ist es geschehen. In der Nacht, so erzählt das Lukasevangelium, in der Nacht – da waren die Hirten draußen auf dem Felde... Kalt wird es gewesen sein, dunkel sowieso. Und dann wach bleiben, Schafe hüten, die anderen gehören. Naja, zum Leben reicht es – aber zu was für einem Leben!

Da ist Sehnsucht nach so viel mehr: Sehnsucht nach Wärme und Licht (nicht bloß wegen der kalten Nacht, sondern Sehnsucht nach Wärme unter den Menschen), Sehnsucht nach Sicherheit, nach Liebe, nach Frieden (denn eine unfriedliche Zeit war es auch damals), Sehnsucht vielleicht (man ist realistisch) nach einer ein bisschen heileren Welt.

Und dann passiert’s! Eine Einladung – ausgerechnet an die da draußen, an die im Dunkeln: Fürchtet euch nicht! Stattdessen freut euch mit großer Freude! Was ihr ersehnt, Rettung, Erlösung – es ist in die Welt gekommen! Ihr könnt es sehen, berühren. Geht hin nach Bethlehem, überzeugt euch!

Was werden die Hirten erwartet haben? Ein Wunder? Machtvolles Eingreifen Gottes in die Geschicke der Welt? Umkehrung der Verhältnisse?

Was finden die Hirten: einen Stall, Leute drin, für die anderswo kein Platz war, eine Futterkrippe, ein kleines Kind. Alles gar nicht so viel anders als da draußen, wo sie hergekommen sind: dunkel, ein wenig Schutz vor der Kälte wohl, aber umso hilfsbedürftiger sind diese Menschen. Wie kann das Rettung sein? Wie kann das Erlösung sein?

Ein alter Hirte erklärt das: "Nun ist ER selbst gekommen, unbezweifelbar, der Jenseitige in unsere Irdischkeit, der Ewige in die Zeit, der Unendliche in die Endlichkeit, der Unsichtbare in die Sichtbarkeit. Wenn ich das bedenke, dann steht mir das Herz still. Es ist ja etwas Ungeheuerliches. Wir begreifen es ja auch nicht mit unserem Menschensinn. Denn wenn der verborgene Gott sich offenbart, dann muss sich alles anders vollziehen, als wir uns das vorgestellt haben. Vollständig anders." (aus: Manfred Hausmann, Das Hirtengespräch)

Mitten in die Nacht, wo es dunkel ist, wo Menschen frieren, wo sie sich so sehnen – direkt da hinein kommt Gott, sichtbar, berührbar. Und wir feiern das bis heute. Ein Gebet für Heiligabend und immer:

Gott,
unglaublich ist es und ein Wunder,
dass du kommst – zu uns Menschen...
In unsre Herzen kommst du,
tust Staunen hinein und große Freude.
Wir spüren, dass Besonderes geschieht,
dass DU geschiehst, lebendig bist und wirkst in uns...
Du machst unser Leben hell mitten in der Nacht.
So lass uns Licht verbreiten und Freude
und deinen Frieden.
Amen.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Wochen und grüße Sie herzlich
Ihre Lilo Eurich, Pastorin Dionysiuskirche-Lehe