Foto: Helmut Gross

Andacht Juli 2011

05. Juli 2011

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (Matthäus 6,21)

"Ich habe einen Schatz gefunden….", singt, glaube ich, die Gruppe Silbermond. Es ist etwas Besonderes, einen Schatz zu haben. Schatzsuche und Schatzfindung faszinieren wie kaum ein anderes Thema: Indiana-Jones, Ali-Baba und die vierzig Räuber, das Grab und der Schatz von Tut-Anck-Amun, der Schatz von Troja, der Schatz der Tempelritter, der Schatz der Azteken und der Inka, die Schatzinsel, der Schatz von Monte-Christo, der Schatz im Silbersee... Immer wieder haben sie mich begeistert und in ihren bezaubernden Bann gezogen, diese Geschichten von Schatzsuchern und geheimnisvollen, unermesslichen Schätzen. Ja, am liebsten wäre ich selber solch ein Archäologe geworden, der Aufsehen erregende, Gold gleißende Schätze findet. Aber was diese Geschichten vor allem so aufregend macht, ist wohl der Wunsch, die Hoffnung oder die geheime Sehnsucht, irgendwann einmal selber über einen solchen Schatz verfügen zu können.

Einen solchen Schatz im eigenen Leben zu haben…, verborgen, geheimnisvoll nur mir allein zugänglich und verfügbar. - Und recht bald wurde mir bei diesen Gedanken, schon als Jugendlicher klar, dass es bei dieser Art von Schatz nicht nur um Gold und Silber oder Juwelen gehen kann, sondern, dass es sich dabei um eine Art geheimer Zufluchtsort des Herzens oder der Seele handeln muss, eben etwas, was auch etwas anderes als rein materielle Reichtümer bedeuten kann - etwas eben , woran ich mein Herz hänge, ja wo mein Herz unbedingt hin will…. Wo es sich hingezogen fühlt. - Das Herz ist gerne bei dem, was sein Liebstes, was sein Schatz ist. Und der Schatz unseres Herzens ist dann das, was unser Leben prägt, motiviert und antreibt. Die Schatzsuche der Karriere kann das sein, die Verwirklichung meiner bewussten oder unbewussten Machtgedanken, die Ausrichtung meines Lebens auf das Erleben von unbegrenztem Genuss oder die Verwirklichung einer großen Liebe und vieles mehr. Aber all das ist nicht von Bestand; all das ist einmal zuende. - Jesus sagt an dieser Stelle, zwei Sätze vor dem Monatsspruch: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen, und wo die Diebe nachgraben und stehlen! Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen, und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein." (Mt. 6,19-21) ---- und so kann also auch das Herz mit dem Schatz gestohlen oder gefressen oder missbraucht werden…. - Dass mein Herz an seinem Liebsten, an seinem Schatz hängt, kann ich nicht verhindern, denn das ist etwas Selbstverständliches und Natürliches, aber was dieser ‚Schatz' sein soll, das kann ich bestimmen. Das kann sehr schwer sein, kann sogar zu fürchterlichen Kämpfen führen, aber es ist möglich, den falschen Schatz von sich zu werfen und den wahren Schatz zu ergreifen (das kann man bei Tolkien, "Herr der Ringe" nachlesen). Und es kann einem passieren, dass man eine Schatzkammer entdeckt, in der sich immer wieder neue geheime verborgene Türen auftun, zu immer neuen und größeren Schatzhallen und Sälen und wo man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt und wo das Leben immer wieder neu bereichert wird, wenn man intensiv forscht. Eine solche Schatzkammer durfte ich entdecken, als ich vor Jahren mein Leben ganz in Jesu Hände gab und eine persönliche Glaubensbeziehung zu ihm aufbauen durfte. Das Lesen der Bibel, die Gebets-Stille, oder dass ich IHM in diesem Zusammensein einfach meinen Tagesablauf vorgelegt habe, wurden mir zu einer Kraftquelle zu einer immer neuen Erfrischung (vgl. Mt. 11,28). ER führt mich hinein in immer neue und erstaunliche Erkenntnisse über das Leben an sich und mein Leben im Besonderen. Er hilft mir in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen. Ich erkenne die Wahrheit von Gottes Wort in immer neuen Sichtweisen und weiß mich in diesem Leben umfasst und geborgen in seinem gewaltigen Plan, den er mit mir und jedem Menschen hat. - Natürlich habe ich nur dann etwas von diesem Schatz, wenn ich ihn ergreife und umsetze, mich also in schweren Situationen immer wieder neu an IHN wende. Das zu tun, kann manchmal eine gewisse Überwindung und auch Mühe kosten, aber wenn ich es dann getan habe, erlebe ich sehr schnell die besondere Atmosphäre seiner ‚Königskammer' die meine ganz persönliche und heimliche Schatzkammer geworden ist. Und eines weiß ich und begreife es immer wieder neu: In Christus verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis (Kol.2,3) und noch eines ist wichtig: Dieser Schatz ist unvergänglich und unvorstellbar herrlich in der Ewigkeit! - Ich wünsche es jedem Menschen diesen Schatz zu finden, der für alle reicht und der das Leben wieder ganz neu und spannend mit einem großen Geheimnis umgibt. Darum: "Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den anderen Morgen; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen." (Mt. 6,33-34b)

Hans-Carl Schlüter, Pastor der Landeskirche im Kirchenkreis Bremerhaven