Foto: Helmut Gross

Andacht April 2017

29. März 2017

Glauben Sie an Zufälle? Ich nicht – schon gar nicht seit einem Erlebnis vor ein paar Wochen.
Da war eine alte Dame gestorben. Ich kannte sie und ihre Familie ein wenig. Sie war früher recht aktiv in der Gemeinde, kam zum Seniorenkreis. Ich hatte sie öfter zum Geburtstag besucht und auch ihre Tochter kennen gelernt. Dabei hatten wir festgestellt, dass sie lange in einem Ort gelebt hatte, in dem ich als Kind ebenfalls viel Zeit verbracht habe, weil meine Patentante dort wohnte. Gemeinsam hatten wir uns immer wieder gern an jenen Ort erinnert.

Nun war sie also gestorben, und ich war zum Gespräch bei ihrer Tochter. Sie erzählte von der Mutter, von deren Kindheit mit den Geschwistern und auch, wie schwer es war, so oft Abschied nehmen zu müssen. Sie war die jüngste in einer großen Schar. Aber die Verbindung zu den Nichten und Neffen war seit Jahren kaum mehr vorhanden und nun vollkommen eingeschlafen. Wir kamen auch wieder auf den Ort von früher zu sprechen und auf den Mädchennamen der alten Dame.

Und da geschah das, was mich sicher sein lässt, dass es Zufälle nicht gibt, sondern dass es gelegentlich so ist, dass genau der richtige Mensch zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der Mädchenname der Dame war der Ehename meiner alten Freundin Bärbel, die noch in jenem Ort wohnt. Es war tatsächlich so, dass der Neffe der alten Dame der Mann meiner Freundin war. Die Tochter und ich waren beide sehr verblüfft, auch bewegt und geradezu fassungslos. So was gibt es doch nur in Geschichten phantasiebegabter Pastoren! Aber die Realität ist manchmal unglaublicher als eine Geschichte. Durch diesen Umstand konnte ich jedenfalls eine Verbindung zwischen Teilen der Familie wieder herstellen, die lange versandet und versiegt gewesen war.

Zufall? Wie viel Zufall sollte es sein, dass die Freundin aus Kindertagen die Nichte dieser Dame ist? Wie viel Zufall sollte es sein, dass gerade ich bei dieser Familie bin? Es ist wirklich so gewesen, keine ausgedachte Geschichte, wie Pastoren sie gern erzählen. Mich beschäftigt es, dass es solche kleinen Dinge, Gedanken, Erinnerungen sind, die Einfluss auf das haben, was Menschen tun, was mit ihnen geschieht. Und da kann ich nur glauben, dass gerade ich dort sein sollte, dass es genau so gedacht war. Ich glaube, dass es einen gibt, der uns sagt, wo wir sein sollten. Manchmal hören wir auf ihn – und dann geschehen diese Dinge, die andere vielleicht als „Zufall“ bezeichnen. Ich weiß, dass mich jemand in Händen hält und auch mal mit der Hand dahin schiebt, wo er mich brauchen kann. Es ist gut, das zu wissen, finde ich, denn nicht jeden Weg kann ich selber entdecken.

Es grüßt Sie herzlich
Lilo Eurich