Andacht

Als ich Schüler war, hatte ich einen englischen Grundwortschatz: Ein Lexikon mit den wichtigsten Wörtern und Wendungen der englischen Sprache. Wenn es darum geht, was Konfirmandinnen und Konfirmanden kennen und können sollen, spreche ich gern vom christlichen Grundwortschatz. Dazu zähle ich die zehn Gebote, den 23. Psalm, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis. Unter kennen und können verstehe ich, dass sie diese vier Stücke auswendig können, also im Kopf haben. Aber sie sollen sie möglichst auch inwendig kennenlernen, also in ihr Herz lassen. Die Texte des christlichen Grundwortschatzes sind keine Vokabeln. Sie sollen keine leeren Worte bleiben, sondern wertvoll werden und im Idealfall - oder im Zweifelsfall - tragende Kraft entfalten. Die Worte sind angekommen, wenn jemand, der sie in sich trägt, merkt: Da trägt etwas mich. Wenn jemand sie zu gebrauchen weiß für sich selbst oder für einen anderen Menschen in einer Krise. Wo mir Worte fehlen oder ich nichts Passendes zu sagen weiß, aber auch nicht schweigen will, kann ich vielleicht das Vaterunser oder den Psalm anbringen. Oder einfach für den eigenen Gebrauch - täglich, immer wieder einmal.

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Andacht: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen, Lk 2, 19

Maria_Krippenfigur_aus_der_Marienkirche.jpgLiebe Leserinnen und Leser,
das Wunderbare an Weihnachten ist, dass die alten Worte der Weihnachtsgeschichte uns wieder gesagt werden. Die Kunst beim Hören besteht darin, sich zu erinnern und die alten Worte wieder im Herzen zu bewegen. Sie zu kennen ist gut, sich von ihnen anregen zu lassen, das Ziel. Das wird auch der Junge noch lernen, der für die Planung der Weihnachtstage zu seinen Geschwistern sagte: Warum sollen wir Heilig Abend in die Kirche gehen? Die Geschichte kenne ich schon.

 

Ich wünsche uns in Bremerhaven, dass uns die Worte vom Frieden auf Erden und dem göttlichen Kind in der Krippe bewegen. Dass wir sie zum Grund nehmen für unsere Gottesdienste und Gebete, Begegnungen und Entscheidungen.

Ihnen allen gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2011

Ihre Susanne Wendorf-von Blumröder
Superintendentin

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