Andacht

Als ich Schüler war, hatte ich einen englischen Grundwortschatz: Ein Lexikon mit den wichtigsten Wörtern und Wendungen der englischen Sprache. Wenn es darum geht, was Konfirmandinnen und Konfirmanden kennen und können sollen, spreche ich gern vom christlichen Grundwortschatz. Dazu zähle ich die zehn Gebote, den 23. Psalm, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis. Unter kennen und können verstehe ich, dass sie diese vier Stücke auswendig können, also im Kopf haben. Aber sie sollen sie möglichst auch inwendig kennenlernen, also in ihr Herz lassen. Die Texte des christlichen Grundwortschatzes sind keine Vokabeln. Sie sollen keine leeren Worte bleiben, sondern wertvoll werden und im Idealfall - oder im Zweifelsfall - tragende Kraft entfalten. Die Worte sind angekommen, wenn jemand, der sie in sich trägt, merkt: Da trägt etwas mich. Wenn jemand sie zu gebrauchen weiß für sich selbst oder für einen anderen Menschen in einer Krise. Wo mir Worte fehlen oder ich nichts Passendes zu sagen weiß, aber auch nicht schweigen will, kann ich vielleicht das Vaterunser oder den Psalm anbringen. Oder einfach für den eigenen Gebrauch - täglich, immer wieder einmal.

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Aktuell: Ewigkeitssonntag

kreuz2.jpgAm kommenden Sonntag feiern wir in der Evangelischen Kirche den Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt. Er ist so etwas wie Allerseelen auf evangelisch. Friedrich Wilhelm III. führte diesen Feiertag zum "Gedächtnis der Entschlafenen" im Jahr 1816 in Preußen ein. Er entsprach damit dem tiefen menschlichen Bedürfnis, an einem bestimmten Tag im Jahr gemeinsam der Toten zu gedenken. So besuchen viele am Ewigkeitssonntag die Gräber ihrer Verstorbenen.
Die Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen kann sich wie eine dunkle Wolke über unser ganzes Leben legen. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Alles bekommt die Farbe des Schmerzes. Hilfreich ist es dann, der Trauer Raum und Zeit zu geben. Denn Trauer wird nur durch Trauern besser. Gefühle verändern ihre Heftigkeit und ihre Angst machende Abgründigkeit, wenn wir sie wieder und wieder durchleben.

Trauernde berichten, wie gut es tut, der Trauer in ihrem Alltag nicht nur Zeit, sondern auch einen festen Ort einzuräumen. Das kann ein bestimmter Platz zu Hause sein. Hier dürfen Tränen fließen, hier darf der Schmerz sein. Für andere ist dieser Ort der Friedhof mit dem Grab. Wer diesen Weg wagt, erfährt darin Heilung. Er vergisst nicht das Schwere und den Tod. Doch fällt es ihm leichter, andere Räume und Zeiten von den dunklen Wolken der Trauer freizuhalten.
Wer Trauernde begleiten will, wer ihnen helfen will, hilft am besten, wenn er dem anderen nichts davon zu ersparen oder auszureden sucht. Hilfe ist es, wenn man an ihrer Seite bleibt und mit aushält, wenn der andere durch die Schwere und Abgründe seiner Gefühle geht. So kann Trost geschehen.
Und so möchte auch die Evangelische Kirche Raum und Platz für Trost geben und lädt ein  am Freitag, den 16.12 um 18.00 Uhr „Vom Dunkel ins Licht“ ein meditativer, bewegter Gottesdienst für Trauernde in der Pauluskirche und zum Ewigkeitssonntag am 20. November zu Andachten auf den Friedhöfen in Schiffdorf, Wulsdorf, Lehe, Spadener Höhe und Geestemünde jeweils um 15.00 Uhr.
Pastorin Beate Kopf

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