Andacht

Als ich Schüler war, hatte ich einen englischen Grundwortschatz: Ein Lexikon mit den wichtigsten Wörtern und Wendungen der englischen Sprache. Wenn es darum geht, was Konfirmandinnen und Konfirmanden kennen und können sollen, spreche ich gern vom christlichen Grundwortschatz. Dazu zähle ich die zehn Gebote, den 23. Psalm, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis. Unter kennen und können verstehe ich, dass sie diese vier Stücke auswendig können, also im Kopf haben. Aber sie sollen sie möglichst auch inwendig kennenlernen, also in ihr Herz lassen. Die Texte des christlichen Grundwortschatzes sind keine Vokabeln. Sie sollen keine leeren Worte bleiben, sondern wertvoll werden und im Idealfall - oder im Zweifelsfall - tragende Kraft entfalten. Die Worte sind angekommen, wenn jemand, der sie in sich trägt, merkt: Da trägt etwas mich. Wenn jemand sie zu gebrauchen weiß für sich selbst oder für einen anderen Menschen in einer Krise. Wo mir Worte fehlen oder ich nichts Passendes zu sagen weiß, aber auch nicht schweigen will, kann ich vielleicht das Vaterunser oder den Psalm anbringen. Oder einfach für den eigenen Gebrauch - täglich, immer wieder einmal.

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Berichte / Reportagen: 7.500 kirchliche Mitarbeiter bei "Ehrenamtlichentag"

40 Ehrenamtliche aus Bremerhaven besuchten am 04. September 2010 den Ehrenamtlichentag in Hannover - insgesamt waren es ca. 7.500 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der hannoverschen Landeskirche, die den "Ehrenamtlichentag 2010" gefeiert haben.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte vor dem Abschlussgottesdienst, die Demokratie lebe vom Mitmachen.
Er forderte mehr Zeichen der Anerkennung für Ehrenamtliche. Es wäre zu begrüßen, wenn freiwilliges Engagement in Schulzeugnissen vermerkt würde,
betonte der Politiker. „Wir müssen uns auch bemühen, noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Ehrenämter zu gewinnen.“
Deutschland brauche Beiträge von Zuwanderern.
Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und spätere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, rief die Teilnehmer dazu
auf, mutig für die Demokratie einzutreten. „Man kann sich in Sanftheit auch verirren“, sagte er in seinem Hauptvortrag zum Tagesthema
„Seid mutig und stark!“ Es gebe in der Gesellschaft auch Feinde der Menschenwürde und Menschenrechte: „Deshalb ist es töricht
zu glauben, man müsse die Welt einfach nur erdulden“, sagte der ehemalige Rostocker Pastor, der im Juni auch für das Amt des
Bundespräsidenten kandidiert hatte. Mit dem Ehrenamtstag wollte sich die größte evangelische Landeskirche in Deutschland für das Engagement ihrer
rund 100.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwischen Cuxhaven und Hann. Münden bedanken. Die Freiwilligen könnten hier
"ihre ehrenamtlichen Batterien aufladen“, sagte der stellvertretende Landesbischof Hans-Hermann Jantzen aus Lüneburg.
Nach Ansicht des Hirnforschers Manfred Spitzer ist ehrenamtliches Engagement gesund und kann in manchen Fällen sogar Medizin ersetzen.
„Anderen zu helfen, ist sechsmal effektiver als Aspirin“, sagte der Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Ulm in seinem Vortrag „Gehirnforschung zum Ehrenamt“:
„Rein rechnerisch könnte man allein durch Ehrenämter die Streichung einer ganzen Reihe von Langzeitmedikationen ausgleichen.“
Freiwilliger Einsatz für andere beuge Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker oder zu hohen Blutfetten vor. Es sei zudem viel gesünder, anderen zu helfen,
als sich helfen zu lassen. Der Augsburger Transplantationsmediziner Professor Eckhard Nagel sagte, wenn es darum gehe, Leben zu retten, sei die Gesellschaft
auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Beispiele seien der Arbeiter-Samariter-Bund, der Malteser Hilfsdienst oder die Johanniter-Unfall-Hilfe.
Nicht zufällig hätten viele Hilfsorganisationen, die auf Ehrenamtliche bauten, christliche Wurzeln: „Liebe zum Leben und Nähe zum Menschen sind Werte,
die klare Bezüge zur christlichen Tradition aufweisen“, betonte der Mediziner, der auch Präsident des Ökumenischen Kirchentages in München war.
Auf einer Showbühne mit Popmusik und Theater forderte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der Staat solle mehr Geld in die Arbeit von Ehrenamtlichen investieren.
So müssten Freiwillige besonders in den Hospizdiensten professionell begleitet werden. Auch der Präsident des Fußball-Bundesligaclubs Hannover 96, Martin Kind,
hob den gesellschaftlichen Wert des Ehrenamtes hervor. „Ohne Ehrenamt kann ein gemeinnütziger Verein nicht geführt werden.“
Im farbenprächtigen Schlussgottesdienst mit einem rund 200-köpfigen Gospelchor rief der frühere Magdeburger Bischof Axel Noack die Christen zu Zuversicht auch
in schwierigen Lebenssituationen auf. „Das wäre schön, wenn die Menschen in diesem Land merken würden: Diejenigen, die auf Gott vertrauen, haben weniger Angst.“
Hannover (epd)
 

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