Andacht

Bei den Losungen, den Bibelworten für den Tag, am 26. Januar sagte im alttestamentlichen Vers ein gewisser Naaman, ein durch Gott geheilter syrischer General: „Dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern, sondern allein dem HERRN.“ (2. Könige 5,17) Der neutestamentliche Vers war aus dem 1. Johannesbrief (5,20-21): „Jesus Christus ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben, hütet euch vor den Abgöttern.“ Die Zusammenstellung dieser beiden Bibelworte mag bei einem Außenstehenden die Frage hervorrufen: Ja, glauben denn Christen an zwei verschiedene Götter: Gott, den Vater, den HERRN des Alten Testaments, und an seinen Sohn Jesus Christus? Wer sich in der „christlichen Szene“ ein wenig auskennt, wird feststellen, dass die einen, die volkskirchlichen Christen, praktisch nur von „Gott“ reden, während bei freikirchlichen Christen fast nur von „Jesus“ die Rede ist. Bei der älteren Generation in der Kirche wird oft vom „Herrgott“ gesprochen und dieser als eher unpersönlicher Herr der Welt und des persönlichen Schicksals beschrieben, ähnlich dem „Allah“ der Muslime. Wir Pastoren hingegen reden gerne vom „Gott der Liebe“, der Mensch geworden und damit auch schwach und leidend ist.

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Andacht: Zeit ist eine Gnade

Drei Wochen Urlaub – wie schön, wenn sie vor einem liegen. Was will ich alles unternehmen, vor allem ausruhen möchte ich. Alltag und Arbeit vergessen, oder wenigstens sollen sie nicht so viel Raum einnehmen wie sonst. Drei Wochen – eine lange Zeit.  Aber das ist schon fast wieder vergessen. Geblieben sind die Fotos der Erinnerung von einem herrlichen Spaziergang, einer tollen Fahrt, erholsamen Begegnungen in der Fremde, …

Eingeholt wurden wir vom Alltag, er hat uns wieder. Kinder, wie die Zeit vergeht! Es ist doch eigenartig mit der Zeit. Wie sich das Gefühl für sie verändert. Waren wir als Kinder noch ungeduldig wegen einer Stunde, die nicht vergehen mochte, so stellen wir – älter geworden – fest: Schon wieder der Urlaub vorbei, was sage ich, schon wieder ein Jahr bald rum, die Kalenderblätter werden immer weniger. Was habe ich aus der Zeit nur gemacht. Wo ist sie geblieben?
In der Oeser Kirche hat es eine besondere Bewandtnis mit den Kirchturmuhren. An drei Seiten sind die Ziffernblätter durch große Buchstaben ersetzt. Auf der Südseite ergibt sich, von 9 Uhr beginnend, der Satz: ZEIT IST GNADE! Zwölf Buchstaben mit einer bedeutsamen Aussage. Ich werde erinnert an einen Jubilar, der an seinem 80. Geburtstag sagen konnte: Es ist doch eine besondere Gnade, so alt werden zu dürfen. Oder an einen anderen Mann. Als einziger überlebte er nach einem schrecklichen Kriegserlebnis. Aus dem getroffenen U-Boot kam er als einziger der Besatzung lebend an die Wasseroberfläche. Er konnte sagen: Da wurde mir meine Lebenszeit ein zweites Mal geschenkt.
ZEIT IST GNADE. Zeit ist ein Geschenk. Von Gott werden wir beschenkt, der allein weiß, wie viele Minuten und Stunden, wie viele Tage und Wochen, wie viele Monate und Jahre uns geschenkt sind. Meine Zeit steht in deinen Händen. So hat es der Psalmbeter gesagt (Psalm 31,16). Wenn ich so die Zeit erlebe, dann ist jeder Morgen an dem ich die Augen öffne, ein Geschenk. Die Arbeit, die ich schaffen darf – ein Geschenk. Die Begegnungen, die im Laufe eines Tages auf mich zukommen – ein Geschenk. Niederlagen und Enttäuschungen – das geht mir schwer über die Lippen – aber dann doch auch ein Geschenk? Meine Zeit steht in deinen Händen. Danke, Gott, für die Fülle des Lebens.

Pastor Uwe Colmsee, Matthäus-Kirche Geestemünde und Auferstehungskirche Surheide
 

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